Berlin, 13. Januar 2026
Mehr Drama! - Autor:innen zeigen ihre Auswahl neuer Dramatik
Einen ganz persönlich kuratierten Blick auf die Gegenwartsdramatik ermöglicht das neue Theatertreffen-Format Mehr Drama!, das gemeinsam mit dem Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage konzipiert wurde. Sechs Theaterverlage haben renommierte Autor:innen aus ihrem Programm gebeten, jeweils eine:n aufstrebende:n Dramatiker:in zu benennen, dessen/deren Text im Theatertreffen in einer Lesung mit hochkarätigen Schauspieler:innen präsentiert wird. 2026 treffen die Auswahl: Sivan Ben Yishai, Necati Öziri, Sasha Marianna Salzmann, Ferdinand Schmalz, Gerhild Steinbuch und Paula Thielecke.
Die ausgewählten Dramatiker:innen werden zur Spielplanveröffentlichung des Theatertreffens bekanntgegeben.
Eine Zusammenarbeit des Theatertreffens der Berliner Festspiele mit den Theaterverlagen Felix Bloch Erben, S. Fischer Verlage, henschel Schauspiel, Rowohlt Verlag, Suhrkamp Verlag, Verlag der Autoren und dem Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage e.V. Gefördert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung.
Berlin, 29. November 2025
Vor 5 Jahren, am 3. Oktober 2020, gründete sich der Verband der Theaterautor:innen. Beim 5jährigen Jubiläum in der Lettretage Berlin gratuliert der VDB im Namen aller Mitgliedsverlage dem VTheA mit dem folgenden Grußwort herzlich zum Geburtag!
Der österreichisch-ungarische Philosoph Michael Zichy sagt in seinem vor kurzem erschienenen Buch „Anderen wichtig sein“:
„Es geht im Leben darum, aus den richtigen Gründen und um seiner selbst willen anderen wichtig zu sein.“
Als mich David Gieselmann vor Monaten gefragt hat, ob ich beim 5. Geburtstag des Verbands der Theaterautor:innen ein Grußwort halten möchte, habe ich mich sehr gefreut und natürlich sofort ja gesagt. Denn genau in solchen Momenten spürt man, was Michael Zichy beschreibt: dass wir einander wichtig sein können – nicht aus Eitelkeit, sondern aus echter Verbundenheit und wechselseitiger Wertschätzung. Und nun stehe ich hier – mit meinem Zettel – und bin ein bisschen aufgeregt, weil im Raum so viele Menschen versammelt sind, die ich verehre, weil sie so wilde Ideen haben, so unfassbar verrückte Texte schreiben, so um die Ecke denken können und einfach fantastische Autor:innen sind.
Was die meisten hier im Raum so gut beherrschen, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht haben, das kann ich leider alles gar nicht. Aber es geht ja nicht darum, das zu können, was man an anderen toll findet, sondern eine Aufgabe und eine Rolle in seinem Leben zu finden, in der man sich wohl fühlt und mit der man etwas beitragen kann, zum gemeinsamen Großen und Ganzen.
Ich persönlich fühle mich wohl in der Rolle, die mir in meinem Leben zugewachsen ist und wegen der ich mich gerade auf dieser Bühne befinde: nämlich als Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage, der – und ich spreche hier für alle unsere Mitgliedsverlage – dem Verband der Theaterautor:innen von Herzen zum 5. Geburtstag gratuliert!
Um unserer selbst willen anderen wichtig zu sein, das wünscht man sich in der Liebe, in der Familie und auch im Arbeitsleben. Wenn es glückt, ist es ein großes und nicht selbstverständliches Geschenk. Doch dafür braucht es Zeit, Vertrauen und Offenheit. Dafür braucht es Mut, Wissen und Uneitelkeit. Dafür braucht es beidseitiges ehrliches Interesse und gegenseitigen Respekt.
Worauf will ich hinaus?
Auf zwei Punkte: Zum einen hat die Arbeitsbeziehung zwischen Autor:innen und deren Lektor:innnen bestenfalls all das zuvor Benannte und ist eine Beziehung, die Kritik aushält und die nicht verletzt, weil sie auf Wertschätzung beruht. Eine Arbeitsbeziehung, in der jede und jeder um seiner und ihrer selbst wichtig und erwünscht ist.
Solche Beziehungen sind der Goldstaub in der gegenwärtigen Arbeitswelt. Ich hoffe sehr, dass uns allen zumindest einige Menschen sofort einfallen, mit denen wir Pferde stehlen könnten und einfach gern zusammenarbeiten.
Und das ist der zweite Punkt, auf den ich hinauswill: Wir müssen zusammen Pferde stehlen!
Denn die Zeiten im Kulturbetrieb werden spürbar härter für alle Mitspielenden. Die Städte haben immer weniger Geld für ihre Theater. Überall wird an den Kulturetats gespart. Sparten drohen, geschlossen zu werden. An manchen Häusern ist es bereits untersagt, Verträge zu schließen, oder es gibt Anweisungen, auf tantiemefreie Stücke auszuweichen. Der normale Spielbetrieb kann teilweise nicht mehr aufrechterhalten werden.
Wenn Stückaufträge vergeben werden, dann zu Konditionen, wie vor zehn Jahren, obwohl mittlerweile alles deutlich teurer geworden ist.
Verträge quellen über vor Ausstiegsklauseln und Sonderforderungen, weil denen, die die Theater verwalten, die Angst im Nacken sitzt und der Druck weitergegeben wird. Errungenschaften, wie zum Beispiel die Gleichstellung von Kinder- und Jugendtheater mit dem Theater für Erwachsene, werden in Frage gestellt. Gemeinsam über Jahrzehnte erarbeitete Rahmenvereinbarungen sollen unterwandert werden. Verhandlungen mit langjährigen Partnern werden deutlich langwieriger und aufwändiger. Die Fronten verhärten sich. Das ist so im Theater, aber auch im Hörspiel und im Fernsehen.
Und weil dem so ist, ist es umso wichtiger, dass die, die in einem Boot sitzen, weil sie gemeinsame Interessen haben und die gleiche Sprache sprechen, zusammenhalten. Es ist wichtig, dass wir uns vertrauen und uns getrauen, uns einander zuzumuten und füreinander einzustehen.
Oliver Sturm hat in seinem, im VTheA-Newsletter erschienenen, Appell dafür plädiert, dass Verlagsautor:innen ihre Hörspielprojekte bitte nicht ohne Verlag abschließen und die Schutzräume, die Verhandlungserfahrung der Verlage bieten, auch zu nutzen. Er hat es sogar noch zugespitzt und geschrieben und das zitiere ich gern: „Doch nicht nur in der Abfassung des Vertrages sind die Verlage hilfreich, es ist auch politisch geboten, wenn man schon Verlagsautor ist, auch mit dem Verlag den Vertrag abzuschließen.“
Ich weiß noch, wie mich – völlig unerwartet – beim Überfliegen des Newsletters dieses Statement ehrlich berührt hat. Denn es zeugt von eben diesem vertrauensvollen Miteinander, das nicht zuletzt in den letzten zwei Jahren aufgrund unserer gemeinsamen Verhandlungserfahrung gefestigt wurde – und damit verweise ich erneut aufs „Pferde stehlen“ . Das ist aus meiner Sicht etwas sehr Besonderes und Schützenswertes, und ich bin sehr dankbar dafür.
In diesem Sinne freue ich mich auf alles, was wir noch gemeinsam schaffen, und sage: Happy Birthday, VTheA, schön, dass es euch gibt. Lasst uns einander wichtig bleiben, und lasst uns gemeinsam auf unsere Beziehungen achtgeben!
Sylvia Schmidt
VDB Geschäftsführerin
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