Der „Preis der Deutschen Theaterverlage“ 2021 geht erstmalig an eine freie Compagnie im deutschsprachigen Ausland: an die Neue Oper Wien

 

Der von der Stiftung des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage jährlich vergebene Preis der deutschen Theaterverlage würdigt im Wechsel die Förderung der Sprech- und Musikdramatik in Schauspiel oder Oper im deutschsprachigen Raum. Die Entscheidung für den insgesamt 15. Theaterpreis fiel 2021 einstimmig für die Neue Oper Wien, die NOW.  Damit zeichnet die Jury erstmalig sowohl eine Compagnie im deutschsprachigen Ausland als auch eine frei arbeitende Musiktheatergruppe aus, die sich seit ihrem Bestehen dem zeitgenössischen Musiktheater und der Förderung moderner Werke und ihrer Autor:innen verschrieben hat.

 

Die Jury begründet die Entscheidung wie folgt:

 

Unter ihrem musikalischen Leiter und Intendanten Walter Kobéra verfolgt die Neue Oper Wien seit ihrer Gründung 1990 ein Ziel: ihr Publikum mit der ausschließlichen Konzentration auf zeitgenössisches Musiktheater in neue Opernwelten zu entführen. Kompromisslos stehen seit 1994 Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen auf dem Spielplan ebenso wie moderne Opernliteratur, die ungerechtfertigt aus dem Repertoire verschwunden ist.

Dabei ist es Walter Kobéra mit seinem kleinen Kernteam, ohne eigene Spielstätte und ohne festes Ensemble, gegen alle Hindernisse – und immer wieder auch politische Widerstände – mit großer Beharrlichkeit und bewundernswertem Durchsetzungsvermögen gelungen, den eigenen hohen Qualitätsanspruch auf der Bühne zu verwirklichen.

So will die Jury diesen Preis ausdrücklich auch als kulturpolitisches Zeichen verstanden wissen und den Mut einer kleinen Compagnie auszeichnen, die ihren Weg über zwei Jahrzehnte und nun schon im zweiten Jahr der Corona-Pandemie konsequent und ohne Abstriche verfolgt hat. Die Neue Oper Wien hat dabei auch bewiesen, dass Publikumszuspruch und Innovation keine Gegensätze sind. Erklärtes Ziel und Philosophie der Neuen Oper Wien sind es, eine größtmögliche Unmittelbarkeit und Nähe zwischen dem Geschehen auf der Bühne und dem Publikum zu schaffen: „Werk, Ausführende, Raum und Zuschauer verschmelzen in diesem Spannungsfeld zu einer Einheit. Das Theater findet zu einer neuen Sprache und die Musik gewinnt an emotionaler Dichte.“

Die Jury würdigt mit der Auszeichnung auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Autor:innen und Komponist:innen, deren Unterstützung und Förderung in der Neuen Oper Wien einen hohen Stellenwert einnimmt.

 

Der Jury der Stiftung des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage gehören (in alphabetischer Reihenfolge) Daniela Brendel (G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH), Ruth Feindel (Suhrkamp Theater Verlag), der Autor Lutz Hübner, der Komponist Christian Jost und die Autorin Ulrike Syha an.

 

Die Preisverleihung soll im Rahmen der Premiere von Stallerhof am 17. Februar 2022 in Wien stattfinden.

Berlin, den 9. Dezember 2021