Effe U Knust
Las Weinberge
Sprechtheater
Monolog, Schauspiel
Besetzungshinweis: 1 Spieler:in
Aufführungsgeschichte:
UA: 04.11.2026, klagenfurter ensemble
Regie: Anja M. Wohlfahrt
In TTX seit: 25.08.2026
Noch bevor alles erwacht, wenn ein zartes Rosa den vom Flussufer aufsteigenden Nebel berührt, läuft Jazmin durch die Reben. Hier oben im Sanatorium isoliert "ein Tiefnebel [die] Narren mit den kaputten Lungen, [den] gebrochene[n] Herzen und ganz bunte[n] Persönlichkeiten." Dort liest sich Jazmin "in den Weinbergen liegend, [...] durch einen Berg [, einen] Bücherberg, zauberhaft": Die Kameliendame von Dumas, Der Zauberberg von Mann. Aber auch: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus von Christine Lavant, der wehrhaften, in "allem Maßlosen" und bis zum Schluss unfrommen österreichischen Autorin. Auch wenn es immer noch bis in die Weinberge nach Autos und Patriarchats-Pipi und Stumpfsinn stinkt, entfaltet sich zwischen den beiden ein Zwiegespräch über die Verwobenheit von Patriarchat und Krankheit, über einen Literaturkanon, in dem die von der Gesellschaft abgefallene Frau solange sie lebt problematisch ist, und sobald sie stirbt idealisiert wird. Wer diesen Weg verweigert muss eben "voll fierce as fuck [...] ohne Weg [laufen] und ohne Panik von der einen steilen Böschung [...] zur anderen." Sprachgewaltig, humorvoll und bisweilen bissig räumt Effe U Knust in diesem essayistischen Monologstück mit einer Ästhetik weiblichen Sterbens auf, in der der schöne weibliche Körper erkrankt, verfällt und schließlich zum Objekt der Betrachtung wird.
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