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Spielvogel, Wolfgang

Grünheide
oder Die schier unglaubliche Begegnung Elon Musks mit den Gestiefelten Kater und andere Merkwürdigkeiten

Sprechtheater
Schauspiel

Besetzungshinweis: variabel

Frei zur UA

In TTX seit: 18.03.2026

„Was soll ich sagen? Ja, so: Trotz der laufenden Bauarbeiten ist der Ausgang völlig offen.“
Eine Frau lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Sommerhaus südlich von Berlin, am Rand eines Landschafts- und Wasserschutzgebiets in Grünheide. Seit der Wende gehört ihnen das einstige Wochenend-Paradies: ein Ort der Ruhe, der Fliederbüsche, der Spreeauen, der Vögel und der Erinnerungen. Ein Rückzugsort vor der Welt – bis ein „Zauberer“ aus Amerika auftaucht und ankündigt, genau hier eine „umweltschutzaktive“ Fabrik bauen zu wollen.

Wolfgang Spielvogel erzählt in „Grünheide“ von der Ansiedlung der Tesla-Gigafactory als modernes Märchen – mit einem gestiefelten Kater, einem Löwen als König der Tiere, einem listigen Fuchs und einem großsprecherischen Zauberer. Doch hinter der spielerischen Form verbirgt sich eine präzise Rekonstruktion politischer und administrativer Prozesse: die Ausgliederung von Waldflächen aus dem Schutzgebiet, Teilgenehmigungen vor Abschluss aller Verfahren, vorgezogene Rodungen, Umnutzungsanträge, gestrichene Kontrollrechte und eine groteske Selbstüberwachung des Konzerns bei der Abwasserprüfung. In Grünheide nehmen nicht nur der Wald und das Wasser Schaden, sondern auch das Demokratieverständnis der Menschen.

„Grünheide“ ist ein dokumentarisch grundiertes, satirisch gebrochenes Stationendrama über Fortschrittsglauben, Gesetzesdehnung und die normative Kraft des Faktischen. Es zeigt, wie ein lokales Paradies zum Schauplatz globaler Interessen wird – und wie eine Einzelne allein und mit anderen rebelliert. Spielvogels Heldin ist beileibe nicht die „niedliche“ Person, als die sie ihre Widersacher gern darzustellen versuchen. Am Ende bleibt kein Märchensieg, sondern die Frage, was Wohlstand kostet – und wer ihn bezahlt.

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