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Schmid, Herman von / Hermann

Die Z'widerwurz'n / Die Zuwider-Wurzen / Zuwiderwurzen
Geschichte aus den bairischen Bergen
(Die Z'widerwurz'n. Ländliches Charakterbild. Die Zuwider-Wurzen. Geschichte aus den Bairischen Bergen)

Sprechtheater
Komödie, Schauspiel, Volksstück

Bearbeiter:in(nen): Rathgeber, Helmut Walter, Dr. phil.

Werkangaben: Erstfassung als Fortsetzungsroman 1871 (Gartenlaube), Buchausgabe 1874 (Vlg. Ernst Keil). Bühnenbearbeitung durch den Dichter selbst 1878, RUB Band 1021, Leipzig 1878.
Originalsprache: Deutsch
Dekorationshinweis: Dekoration beliebig, auch als einfache variable Bretterbühne(Bretterhütte, Bretterschänke usw) für alle Akte gestaltbar.Die Dekoration für die an Ostern beginnende Handlung ist jahreszeitlich nicht winterlich sondern fast frühsommerlich zu gestalten, da der Frühling in diesem Jahr (nach Angaben des Dichters ab ca. 1834) sehr früh begann. Die Dekoration: Bretterbänke und Tisch vor der Längsseite des Bauernhauses, von Weinreben mit beginnendem Grün umrankt. Der alte Bauer spricht zu sich selbst. Im Roman (1871, 1874) heißt es auf Seite 7 (Ausgabe 1874): „Kreuz Birnbaum!“ sagte der Bauer in sich hinein. „Einen so schönen Ostertag hab’ ich nicht leicht gesehen und ein so zeitiges Frühjahr auch nicht. Die Luft ist ja hellicht wie Balsam, die Kirschbäume fangen schon zum Blühen an, auf den Büheln ist’s schon ganz awer und grün, und der Schnee auf den Bergen ist schon so krank, als wie sonst bald um Johanni.“
Besetzung: 3D, 8H (11 Darst.)
Besetzungshinweis: Darsteller, die nicht sprechen: Knechte, Mägde, Schankkellner, Schützen, Passanten, Gäste im Biergarten und auf dem Oktoberfest in München

Publikation: Herman von Schmid, Die Z'widerwurz'n. Ländliches Charakterbild in fünf Aufzügen. Nach seiner gleichnamigen Erzählung von dem Dichter selbst bearbeitet. Reclams Universal-Bibliothek (RUB) Nr. 1021, Verlag von Philipp Reclam jun., Leipzig 1878
Zusatzinformation: Diese ungekürzte, vollständige werkgetreue Neubearbeitung durch den Tegernseer Germanisten Dr. phil. Helmut Walter Rathgeber ist frei zur Uraufführung!
Rechtevertretung: Bengelmann Theater Verlag
Dauer: 120 min, abendfüllend

Aufführungsgeschichte:
Uraufführung der vom Dichter selbst geschaffenen Originalfassung am 29.01.1878 im Königlichen Theater am Gärtnerplatz in München. Zahlreiche Aufführungen der Münchner als Gastspiel im deutschen Sprachraum und im europäischen Ausland und in den USA. Zahlreiche Aufführungen der "Schlierseer" um Konrad Dreher, den Begründer der Schlierseer Bauernbühne zusammen mit Xaver Terofal, im Bauerntheater und bei Gastspielen in den USA. Zahlreiche Aufführungen anderer Bühnen in Bayern.
Frei zur UA

In TTX seit: 13.05.2023

Die Z’widerwurz’n / Die Zuwider-Wurzen / Zuwiderwurzen
Ein Lustspiel von Herman von Schmid (30.03. 1815 – 19.10.1880), werkgetreu völlig neu bearbeitet von dem Tegernseer Germanisten Dr. phil. Helmut Walter Rathgeber, gebürtig vom Tegernsee, aufgewachsen in Oberbayern und in Oberösterreich, also "native speaker", Muttersprachler, was heutiges österreichisches und Bairisches Deutsch betrifft.
Werkgetreu primär nach dem von dem Dichter selbst verfaßten Bühnenstück (veröffentlicht und uraufgeführt 1878) und nur in zweiter Linie nach der gleichnamigen Erzählung in den beiden Fassungen (Fortsetzungsroman 1871, Buchausgabe, Erste Auflage 1874) völlig neu bearbeitet. Die Bühnenfassung, die vom Dichter selbst veröffentlicht und uraufgeführt worden ist (1878), weicht in einigen Punkten erheblich von der Romanfassung ab. Gravierend ist der Unterschied zwischen Bühnenfassung und Romanfassung im letzten Akt der Bühnenfassung, der beim Münchner Oktoberfest sich abspielt.
Es geht um das zentrale Thema des Romanes und des Stückes, und dieses Thema ist die Emanzipation der Frau und in erster Linie die Abschaffung der alten Tradition, daß der Vater für seine Tochter den zukünftigen Ehemann bestimmen darf. In dieser Hinsicht weist die „Zuwiderwurzen“ gewisse Ähnlichkeiten mit der Geierwally (Geier-Wally) in dem Roman und Bühnenstück „Die Geierwally“ (Die Geier-Wally) von Wilhelmine von Hillern auf.
In der ursprünglichen Romanfassung tritt beim Königsschießen auf dem Oktoberfest der bayrische König (König Ludwig II. regierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) selbst auf, während in der Bühnenfassung auf den Auftritt des Königs verzichtet wird; es wäre auch kaum vorstellbar gewesen, daß 1878 ein Schauspieler auf der Bühne den bayrischen König spielt (Persönlichkeitsrechte des Königs). Mit dem Verzicht auf den Auftritt des Königs war Herman von Schmid freilich gezwungen, den Handlungsablauf hinsichtlich der problematischen Verehelichung der reichen Jachenauer Bauerntochter Stasi mit dem völlig mittellosen, aber jetzt erfolgreichen Schützenhauptmann aus Lenggries zu ändern. Eine zweite Version dieser Neubearbeitung des Germanisten Dr. phil. Helmut Walter Rathgeber, in welcher der Handlungsablauf des Romans Vorrang hat und somit König Ludwig II. auftritt und ein Machtwort für die Verehelichung des Paares ausspricht, ist in Vorbereitung.

Nicht nur nahezu alle Dialoge mußten zum besseren Verständnis der erheiternden Pointen überarbeitet und in den heutigen Sprachgebrauch übertragen.werden. Die Bearbeitung erfolgte mit dem vollständigen Handlungsstrang des Schauspiels und des Romans (Buchausgabe 1874), ohne Hinzufügung von Nebengeschichten oder neu erfundenen Personen.
Altbairische Wörter und Redewendungen werden stets ins heutige Hochdeutsche und ins heutige Bairische transferiert und stehen somit wahlweise zur Verfügung. Die spärlichen und knapp gehaltenen Regieanweisungen des Dichters, der ja bei der Uraufführung selbst Regie führte, wurden sämtlich übernommen; hinzugefügt wurden sehr ausführliche Regieanweisungen, die sich auch aus dem Handlungsablauf im Roman und aus den Beschreibungen der Charaktere im Roman ergeben.
Herman von Schmid‘ s Bühnenstück „Die Z’widerwurz’n“ (gelegentlich auch „D‘ Z’widerwurz’n“ geschrieben) wurde am 29.01.1878 im Königlichen Theater am Gärtnerplatz unter der Schirmherrschaft und Anwesenheit von König Ludwig II. uraufgeführt. Allein in diesem Theater wurde es nach den Angaben in der Dissertation von Hanns Werner Rückle (LMU, 1929) 98-mal aufgeführt. Noch mehr Aufführungen – nämlich 148 an der Zahl - konnte in der Geschichte des Hauses lediglich das am 11.03.1880 im gleichen Theater uraufgeführte Stück „Der Herrgottschnitzer von Ammergau“ von Ludwig Ganghofer verbuchen.
Herman (von) Schmid (geb. 30. März 1815 in Waizenkirchen in Oberösterreich; gest. 19. Oktober 1880 in München) ließ seinen Taufnamen in dem 1878 erschienenen Reclam-Bändchen Nr. 1021 (damaliger Preis: 25 Pfennig) mit dem bairischen Titel „Die Z’widerwurz’n - Ländliches Charakterbild in fünf Aufzügen“ mit nur einem „n“ am Ende schreiben, also „Herman“ (dessen ungeachtet wird in etlichen Literaturportalen der Taufname des Dichters falsch, also mit Doppel-n am Ende, geschrieben). Der Dichter hat das Bühnenstück selbst nach seiner gleichnamigen Erzählung verfaßt, und zwar nicht in bairischer Mundart, in welcher sein Vorbild Franz von Kobell oft geschrieben hat, sondern in hochdeutscher Sprache der damaligen Zeit mit zahleichen eingestreuten altbairischen und oberösterreichischen Begriffen, Wörtern und Redewendungen. Auch der Titel des Romans ist in hochdeutscher Sprache verfaßt, nämlich „Die Zuwider-Wurzen“, mit dem Untertitel „Geschichte aus den bairischen Bergen“, die sich nach Angaben des Dichters etwa 40 Jahre vor Erscheinen, also nach 1834, wirklich abgespielt haben soll. Sein Vorname wird stets „Herman“ mit einem einzigen „n“ am Schluß geschrieben der Adelstitel, den ihm König Ludwig II. verliehen hat, erscheint erst in dem besagten Reclambändchen Nr. 1021.
"Als ein wahres Zugstück wirkte die Dramatisierung seiner „Z'widerwurz'n", heißt es in der Deutschen Biographie. Hanns Werner Rückle schreibt in seiner Dissertation (Ludwig-Maximilians-Universität München, 1929) zur Geschichte des Königlichen Münchner Gärtnerplatztheaters, wo unter der Regie des Dichters die „Zwiderwurzn“ uraufgeführt worden ist, zur „Zwiderwurzn“ des Dichters Herman von Schmid: „Sein bestes und erfolgreichstes Stück aber ist ‚Die Z’widerwurz’n nach der gleichnamigen Erzählung, 1878 erschienen“.
Auch seine Erzählungen und umfangreichen Romane hat der Dichter in hochdeutscher Sprache verfaßt. Herman von Schmid ist somit kein eigentlicher Mundartdichter wie etwa Franz von Kobell, seine Texte würden heute nicht zum Austria-Rock im herrlichen Stil von STS passen. Der Dichter streute sehr zahlreiche bairische Wörter und Redewendungen ein, wie es etwa auch Thomas Mann in den Buddenbrooks mit der Figur des Hopfenhändlers Alois Permaneder macht, den er so reden läßt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Die Erzählung existiert in zwei Fassungen, weil sie zuerst als Fortsetzungsroman (1871) erschienen ist und dann 1874 als Buchausgabe im Verlag von Ernst Keil.
Auch in seinem im Verlag Ernst Keil erschienenen Roman in hochdeutscher Sprache wird sein Vorname mit „Herman“ geschrieben. Auch der Titel des Romans ist in hochdeutscher Sprache verfaßt, nämlich „Die Zuwider-Wurzen“. Geschichte aus den bairischen Bergen“, die sich nach Angaben des Dichters etwa 40 Jahre vor Erscheinen, also nach 1834, wirklich abgespielt haben soll.
In der ADB von 1890 heißt es: „Die „Z'widerwurz'n ist eine etwas im Freskostil gehaltene, aber nach der Natur gezeichnete und in's Ländliche übersetzte „Zähmung der Widerspenstigen“, ein Stück, welches auch auswärts Triumphe errang“.
Großen Erfolg hatte das Stück bei Gastspielreisen im deutschsprachigen Raum und in den USA. Gastreisen 1879 bis 1893 nach Hanns Werner Rückle (Diss. LMU, 1929): Im deutschen Sprachraum u.a. in Wien, Berlin, Dresden, Leipzig, Hamburg, Breslau, Hannover, Köln, Würzburg, Bremen, Frankfurt/M. Mainz, Erfurt, Weimar. Amerika: 1890/93 wurde von den „Münchnern“ u.a. die Z’widerwurz’n bei Gastspielreisen in New York, Brooklyn, Philadelphia, Chikago, Milwaukee, Watertown u.a. aufgeführt.
Zur Roman- und Bühnenfigur der störrischen „Stasi“, genannt „Z’widerwurz’n“:
Der Name der Schauspielerin Lina Meittinger (geb. 1856 in Pasing, gest. 1928 in München) wird wohl für alle Zeiten mit der Roman- und Theaterfigur der „Stasi“ (Anastasia), der störrischen Tochter des reichen Kurzenbauern in der Jachenau am Fuße der Benediktenwand in Oberbayern, verbunden sein.
Lina Meittinger stand bereits als Achtjährige bei der Eröffnung des Münchner Aktientheaters, Vorläufer des späteren „Königlichen Theaters am Gärtnerplatz“, auf der Bühne. König Ludwig II. hatte im Jahre 1872 das Aktientheater übernommen und zur Hofbühne des Königreiches Bayern erhoben. Herman von Schmid wurde 1870 für einen kurzen Zeitraum vom König zum Direktor des königlichen Volkstheaters am Gärtnerplatz ernannt. Lina Meitinger war von 1877 bis 1927 am Gärtnerplatztheater tätig. In Ludwig Ganghofers „Der Hergottschnitzer von Ammergau“ spielte sie das Reserl, in der 'Zwiderwurzn' von Herman von Schmid die Stasi.
Eng verbunden mit der Aufführungsgeschichte der "Zuwider-Wurzen" ist der Münchner Hofschauspieler Konrad Dreher, der Mitbegründer des Schlierseer Bauerntheaters. Der Münchener Hofschauspieler Konrad Dreher gründete 1892 gemeinsam mit Xaver Terofal das Schlierseer Bauerntheater. Die „Schlierseer“ stehen dann in der kultur- und geistesgeschichtlichen Nachfolge der „Münchner“ vom Königlichen Theater am Gärtnerplatz. Konrad Dreher und seine Truppe unternahmen zahlreiche Gastspielreisen auch in die USA. Zum Repertoire gehören die beim Publikum beliebtesten Schauspiele: „Der Herrgottschnitzer von Ammergau“ von Ludwig Ganghofer und „Die Zuwider-Wurzen“ von Herman von Schmid.

Das Stück spielt in den Jahren ab 1830 in der Jachenau/Obb. und in München (Oktoberfest). Jahreszeitlich spielt die Handlung zwischen Ostern und Oktoberfest.
Zur Dekoration: Alle Akte finden vor einer Hütte oder vor einem Bauernhaus oder einer Bretterschänke, Werkhütte o-ä. statt, mit einsehbarer Front des Hauses, ansonsten im Freien, so daß eine variable Dekoration mit einfacher Bretterbühne möglich ist.
Die Dekoration für die an Ostern beginnende Handlung ist jahreszeitlich nicht winterlich, sondern fast frühsommerlich zu gestalten, da der Frühling in diesem Jahr (nach Angaben des Dichters ab ca. 1834) sehr früh begann. Die Dekoration: Bretterbänke und Tisch vor der Längsseite des Bauernhauses, von Weinreben mit beginnendem Grün umrankt. Der alte Bauer spricht zu sich selbst. Im Roman (1871, 1874) heißt es auf Seite 7 (Ausgabe 1874): „Kreuz Birnbaum!“ sagte der Bauer in sich hinein. „Einen so schönen Ostertag hab’ ich nicht leicht gesehen und ein so zeitiges Frühjahr auch nicht. Die Luft ist ja hellicht wie Balsam, die Kirschbäume fangen schon zum Blühen an, auf den Büheln ist’s schon ganz awer und grün, und der Schnee auf den Bergen ist schon so krank, als wie sonst bald um Johanni.“

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