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Brasch, Thomas

Frauen. Krieg. Lustspiel

Sprechtheater
Schauspiel

Dekorationshinweis: 3 Dekorationen
Besetzung: 2D, 7H

Publikation: edition suhrkamp 1469, 1989

Aufführungsgeschichte:
UA: UA: Wiener Festwochen, Theater Der Kreis 10.5.1988 Regie: George Tabori
DEA: DEA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg 14.1. 1990 Regie: Uli Heising

In TTX seit: 27.03.2001

Die Zeitungsnotiz aus dem Berlin von 1920 könnte etwa so lauten: »Die 25-jährige verwitwete Rosa G. muß sich vor dem Amtsgericht verantworten, ihr eigenes Kind umgebracht zu haben. Angezeigt wurde die Angeklagte von ihrer Freundin Klara B., die wie sie als Wäscherin bei der Wäscherei K. beschäftigt ist und möglicherweise aus später Rache handelte: Die Frauen hatten mit dem Wäscheausfahrer Johannes G., der am 6. Juni 1916 vor Verdun gefallen ist, beide ein Verhältnis, ehe der Verstorbene Rosa ehelichte. Nach der Nachricht von seinem Tode meldeten sich die beiden Frauen als Krankenschwestern an die Front. Die Angeklagte Rosa G. soll auch in einem Feldbordell gearbeitet haben und stellt in Abrede zu wissen, wer der Vater des Kindes ist.«
Der Dramatiker Thomas Brasch hat mit »Frauen • Krieg • Lustspiel« nicht das kleinbürgerliche Melodram geschrieben, das (auch) in dieser Meldung steckt, vielmehr hat er aus dem Stoff ein virtuoses Beispiel für ein neues episches Theater gewonnen. In einer lyrischen, zugleich harten Sprache läßt er die beiden Frauen, genauer: die »Darstellerin der Rosa« und die »Darstellerin der Klara«, aus der Retrospektive erzählen: Im streitbaren Rollenspiel versuchen sie sich ihre Geschichte zu vergegenwärtigen, die Geschichte vom Liebeskrieg mitten im mörderischen Maschinenkrieg. Besonderer Kunstgriff: Die Männer-Täter sind ausgespart, bis auf das kurze Mittelstück des Dreiteilers, in dem Brasch sein Thema »Krieg/Liebe« an Shakespeares Tragikomödie »Troilus und Cressida« spiegelt: Da treten der blinde Kuppler Pandarus und ein Souffleur auf, der fünf desertierte schwarze Soldaten aus dem Immerkrieg zwischen Troja und heute liquidiert.
»Frauen • Krieg • Lustspiel« ist von George Tabori bei den Wiener Festwochen uraufgeführt worden, und Rolf Michaelis hat in der »Zeit« gefragt: »War hier nicht etwas zu ahnen von einer neuen Bühnenkunst zwischen Erfindung und Zitat, Bildersinn und Sprachverliebtheit? Das uralt-deutsche Problem der Mischung von Tragödie und Komödie, das Thomas Bernhard auf seine finstere Art so glänzend löst, treibt Brasch in eine neue Dimension der heiteren Trauer, der düsteren Komik … Hier ist ein vielfältig neu zu sehendes, für unsere Zeit aufschlußreiches Stück.«

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