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Koslowski, Jan / Stuhler, Nele

Die Leiden der jungen Wärter

Sprechtheater
Schauspiel

Werkangaben: UA: 27.09.2019, Schauspielhaus Graz
Besetzungshinweis: Bes. variabel

Bstnr/Signatur: 998

In TTX seit: 28.10.2019

Es ist das dritte Ausbildungsjahr auf der Security-Academy, Auftritt Wilhelm - auf der Suche nach Werther, einem angehenden Wärter. Aber der Freund mit besonderer Begabung für emotionales Durcheinander ist nicht auffindbar; die einzigen, auf die Werthers Brieffreund in der Institution trifft, ist eine Schar vom Werther verwirrter junger Wärter-Anwärter. Und alle denken sie, wie Wilhelm, sehnsüchtig an ihren liebenswerten, aber leider entschwundenen Werther. Schließlich hat er ihnen allen glaubhaft versichert, etwas ganz Besonderes zu sein - obwohl das ja eher ungewöhnlich ist, so viel Besonderheit auf einem Fleck.
Wie kann man sich seiner oder ihrer Besonderheit nur wirklich sicher sein? Wobei Sicherheit nun ja eigentlich das Spezialgebiet dieser jungen Menschen ist. Also bewacht jede*r irgendetwas: die eine ihre Unschuld, der andere sein Unglück und alle zusammen die Einhaltung der gesellschaftlichen Normen, z. B. die Frage, wer wen lieben darf. Was ist denn eigentlich eine Beziehung? Sollten wir nicht erst mal klären, wie wir zueinander stehen und wie wir miteinander leben könnten, bevor wir uns alle umbringen oder unglücklich weiterleben? Wobei: So das eine, und am besten gleich auch noch das andere Liebesprojekt, in das man unglücklich vernarrt sein kann, ist so schlecht wiederum auch nicht, oder?
Was kann uns Goethes Briefroman um den unglücklichen Selbstmörder Werther von 1774 heute noch erzählen? Wo reißt er uns mit? Wo regt er uns auf? Wo tut er uns leid? Warum muß er sterben? Muß er überhaupt? Und überhaupt, der Werther: Das ist ja erstmal ein sehr unzuverlässiger Erzähler. Da sollte man 245 Jahre später vielleicht schon noch mal die anderen fragen: Welche Liebesprojekte verfolgt eigentlich Brieffreund Wilhelm? Wie geht es Lotten so mit dem Status als vielbegehrtes Objekt der Begierde? Wen bewacht der Gärtner besonders gerne? Und warum knutscht Friederiken, die muntere Pfarrerstochter, auf einmal mit Albern? Die Leiden der jungen Wärter ist ein Stück über Leiden und Sehnen und Liebe und Freundschaft und Jugend und Hype und Sicherheit und hier und jetzt. Irgendwo zwischen schwedischem Möbelhaus, Sauna und Soziologieseminar.

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