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Chenelière, Evelyne de la

Zur Nacht
(Le traitement de la nuit)

Sprechtheater
Schauspiel

Übersetzer: Poschmann-Reichenau, Gerda

Dekorationshinweis: minimale Dekoration
Besetzung: 2D, 2H

Frei zur DSE

In TTX seit: 05.01.2022

Viviane und Bernard sind sehr wohlhabend, ihre Tochter Léna ist wohl behütet und im materiellen Überfluss aufgewachsen. Aber Léna verachtet ihr Leben, sucht die Gefahr, das Verbrechen, den „Untergang“ und versucht immer wieder ihrem Elternhaus zu entkommen, begibt sich unter Prostituierte und Kriminelle, nimmt Drogen, kehrt aber jedes Mal auch wieder zurück. Die Eltern lieben sie dennoch bedingungslos, geben sich verständnisvoll und nehmen sie in Schutz. Eine Armada an Fachleuten vom Psychoanalytiker bis zum Schamanen ist für Lénas Behandlung engagiert, und so wie für die Tochter engagieren sich die Eltern auch regelmäßig für benachteiligte Fremde. So nehmen sie als eine weitere gute Tat den ehemaligen Häftling Jérémie als Landschaftsgärtner und Hausmeister zu sich, um ihm eine zweite Chance zu geben. Warum Jérémie im Gefängnis war, hinterfragen sie nicht.

Léna freundet sich mit Jérémie an. Gemeinsam planen sie, Lénas Eltern zu ermorden – „um das Gleichgewicht symbolisch wiederherzustellen“, wie sie es formulieren. Sie inszenieren für Bernard mit einem gestohlenen Wagen einen Unfall auf der einsamen Küstenstraße, schlagen ihn nieder und werfen ihn im Dunkel der Nacht von den Klippen. Dann setzen Léna und Jérémie das Anwesen in Brand. So endet Bernard im Meer und Viviane verbrennt in den Flammen. Eine andere Variante dieser Geschichte erzählt die letzte Szene. Bernard geht nachts dem Rauschen des Meeres nach, bis er sich selbst von den Klippen stürzt. Die beiden Jungen sind unschuldig.

Das Stück will nicht schlüssig und stringent einen Kriminalfall oder eine Familiengeschichte erzählen, sondern kreist tastend und mutmaßend Themenfelder ein, wobei sich Szenen mit Variationen wiederholen, Perspektiven wechseln und die „Wahrheit“ bis zuletzt unklar bleibt: Bringen die Kinder die Eltern um oder handelt es sich um Selbstmorde, vielleicht sogar nur um Traumsequenzen oder Phantasien? Vater und Mutter sterben, symbolisch oder konkret, je nach Interpretation. Hat das Wort die Macht, die Wirklichkeit zu formen?

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