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Oualdlhadj, Mina

Mimi und Aïcha – Eine marokkanische Jugend in Europa

Stoffrechte

Sprechtheater
Schauspiel

Übersetzer:in(nen): Wild, Addi

Originalsprache: Französisch

Publikation: Waterloo 2008/Mainz 2009 + Berlin 2022

Aufführungsgeschichte:
In Kooperation mit dem Verlag Donata Kinzelbach in Mainz, der sich seit Jahrzehnten beispiellose Verdienste um die Vermittlung der Maghreb-Literaturen in deutscher Sprache erwirbt.
Frei zur UA

In TTX seit: 15.09.2022

„Mimi und Aïcha – Eine marokkanische Jugend in Europa“ ist prinzipiell für jede theatrale und performative Auseinandersetzung geeignet. Diese Erzählung ist ideal für interkulturellen und intergenerationellen Dialog.

Mitten in Europa, mitten in Brüssel und in der Wahrnehmung der Europäer doch wahlweise an den Rand gedrängt oder zum „Täter-Milieu“ stilisiert: Molenbeek …
Wie viele andere Eltern und Großeltern sind auch die Eltern von Mimi und Aïcha einst aus Marokko nach Brüssel gekommen. Sie hatten Hoffnung und waren immer um „Integration“ bemüht. Sie hatten auch Angst, dass ihre kulturelle Identität spurlos verschwinden könnte – und der eine oder andere Vater versteifte sich auf die Kultivierung eines patriarchalen Habitus‘, der weniger mit Marokko als mit der Angst vor Brüssel zu tun haben mag, wie die Töchter heute mutmaßen.
Mimi und Aïcha sind beide in Brüssel aufgewachsen und werden nun, erwachsen geworden, in gewitzten, melancholischen, heiteren und wütenden Gesprächen ihrer Situationen gewahr. Die eine allerdings hat relativ offene Eltern, die andere nicht. In der Schule gab es Lehrer, die Mimi offen rassistisch beleidigt haben – worüber sie schon in jungen Jahren zur engagierten Kämpferin geworden ist. Aïcha, nicht in Belgien geboren, und als Kind mit einer ganz neuen Sprache konfrontiert, wird von einem ihrer Lehrer gefördert – und muss gleichzeitig Angst davor haben, nicht auf die falschen Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten, die man ihr bösartig stellt. Zwischen zwei Gesellschaften heranwachsend wächst der Emanzipationsaufwand exponentiell. Mit Rassismus konfrontiert greifen auch die Kinder und Jugendlichen auf eine Idee autarker kultureller Identität zurück: „Später habe ich mich gefragt, warum ich so heftig reagiert und auf meinem Marokkanertum beharrt hatte, gerade ich, die ich mich als Belgierin von Geburt an fühle? War es das Gefühl der Ungerechtigkeit, der Nichtanerkennung? Auflehnung gegen den Rassismus, der nur dumm und bösartig sein kann? Die Achtung vor meinen Eltern? Vielleicht alles zugleich. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich eines Tages die Belgier gegen die französischen Witze verteidigt, die sie wie Ostfriesen darstellen. Ich kann mich über Marokkaner und Belgier lustig machen, weil ich beides zugleich bin, aber ich ertrage es nicht, wenn andere das tun.“

In der Erinnerung an die Kindheit, die beide Frauen miteinander verbindet, tauchen Szenen auf, die einiges über eine Sehnsucht erzählen, die sich an keinem bestimmten Ort mehr festmachen lässt:

Bei unserer ersten Schulfahrt habe ich erstmals den Sinn des Wortes „Sehnsucht“ verstanden, als ich Aïcha beobachtete. Wir sollten einen Tag an der Nordsee verbringen. Aïcha war begeistert. Seit drei Jahren hatte sie kein Meer mehr gesehen. Das einzige Meer, das sie kannte, war das Mittelmeer.
Dieser Tag war für sie eine Enttäuschung. Sie sagte immer wieder:
„Ich habe noch nie ein so graues Meer gesehen. Das Meer ist blau, normalerweise. Hier hört man fast nicht einmal das Geräusch der Wellen, man hört nur den Lärm der Autos.“
Auf dem Heimweg im Bus sangen alle außer Aïcha.
„Weinst du?“
„Nein, ich habe Sandkörner in den Augen und die Nase läuft mir.“

Auch in der Bundesrepublik könnte man sich 2023 erinnern, dass man 1963 ein so genanntes „Anwerbeabkommen“ mit dem Königreich Marokko geschlossen hat, wodurch man hier bis 1973 Fachkräfte beispielsweise für den Bergbau im Ruhrgebiet rekrutierte. 2022f. rücken Algerien und Marokko wieder in den Blick, wenn es um die Bewältigung europäischer Energiekrisen geht … Umso mehr könnte ein postkolonialer Blick auf die Migrationsgeschichten zwischen den Ländern Sinn machen.

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