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Ott, Hans-Helge

Landhaus am Wildbach
(Huus an't Meer)

Sprechtheater
Komödie

Übersetzer: Wittmann, Josef

Mundart: Bayerisch
Dekorationshinweis: Einheitsdekoration
Besetzung: 2D, 4H

Frei zur UA

In TTX seit: 17.11.2010

Da erbt ein Endfünfziger aus München von einer lange vergessenen Tante ein Landhaus am Wildbach in einem oberbayerischen Alpental und ahnt nicht, dass dies sein Leben verändern wird. Ein Kunstmaler glaubt hier endlich die Quelle seiner Inspiration gefunden zu haben und zieht mit ein. Und Margret, die der verstorbenen Tante den Haushalt geführt hatte und aus dem Alpental in den 50 Jahren ihres Lebens noch nie hinausgekommen ist, wird für beide zur Projektionsfläche. Kann das gut gehen?

Zwischen Landhausstil, Global-Player-Anspruch und den pekuniär notwendigen Zugeständnissen an den allgegenwärtigen Tourismus versucht sich etwas wie Authentizität zu behaupten. In die Zange genommen von Trends, geht das "echte Leben" seinen Weg nicht unbeirrt, aber authentisch. Wenn Margret zuletzt das Landhaus und zwei Männer hinter sich lässt, um beim Notar in Rosenheim dazuzulernen, ist spätere Rückkehr nicht ausgeschlossen.

Die liebenswerte Komödie "Huus an't Meer" von Hans-Helge Ott spielt ursprünglich auf einer ostfriesischen Insel, alle Akteure sprechen friesisches Platt. Die bairische Fassung von Josef Wittmann hat nicht nur andere Schauplätze, andere Ess- und Lebensgewohnheiten zu berücksichtigen, sie trägt auch einem anderen Umgang mit der Sprache Rechnung. Der 60jährige Mundartdichter aus der "Turmschreiber"-Gilde hat genau hingehört, unterschieden und notiert - ein Harnoncourt des Dialekts, der das Volksstück anspruchsvoll und selbstbewusst bairisch veredelt.

So entlarvt Wittmanns bairische Version den "Originalton Süd", eine Art Allerwelts-Bairisch, das die meisten seiner Figuren unkritisch von sich geben, als Kompromiss-Sprache, die je nach Verständigungs-Notwendigkeit an die bereits weitgehend niederdeutsch dominierte Umgangssprache angepasst wird. Ihm setzt sie bairischen Dialekt entgegen, wie er von den "einfachen Leuten" ganz selbstverständlich gesprochen wird. Margret spricht ihren örtlichen Dialekt unverfälscht, sie kann nicht anders. Alle anderen Charaktere spiegeln in der Verformung ihrer Sprache die Verformung der Charaktere unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse. Damit wird der Dialekt aber auch zum Hort des "eigentlichen Lebens" (nach dem sich all die Entwurzelten rund um Margret mehr oder weniger heimlich sehnen) jenseits der globalen Nivellierung.

Josef Wittmann hat die plattdeutsche Vorlage mit großem Ernst, angemessenem Humor und viel Liebe zu den dank ihm echt bayerischen Figuren ins Voralpenland verpflanzt. An dieser Edelvariante des "Volksstücks" eröffnet er der Mundart auf der Bühne eine neue Dimension. Wer will, kann ein Volksstück mit Herz daraus machen - wer kann, noch viel mehr: Ein Manifest der Volkskultur gegen die um sich greifende Volkstümelei.

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