220 Jahre, nachdem Lessing den weisen Nathan schuf, lässt Franzobel seinen Helden Hans Nat vom heutigen Standpunkt einen großen Zeitsprung in die Zukunft machen. In dieser Welt herrscht wegen starker Überbevölkerung längst eine Diktatur mit strenger Geburtenkontrolle. Da gibt es einerseits jene Menschen, die durch medizinische Errungenschaften unsterblich geworden sind, und andererseits die „Proleten“, jene Exemplare, die nur zur „Fleischerzeugung“ gezüchtet werden. Als größter Luxus gilt der Tod. So darf sich jeder glücklich schätzen, der durch die Ziehung des ersehnten Loses sterben darf. Hans Nat, von Beruf „Proletenzüchter“, trifft das „Glückslos". Er wird zur Hinrichtung auserkoren, will aber nicht sterben. Auf der gemeinsamen Flucht mit seiner blondgezopften Tochter Aphrodite gibt er sich als Schauspieler aus. Wie Nathan, der Weise, wird auch Hans Nat zum Prediger und deklamiert ab und zu Verballhornungen der Ringparabel: etwa die „Ding- und Dung-Parabel", die „Deodorant"-Parabel, oder die „Rang-Schaß- und Puhparabel" von einem Schaß, der durch das Theater rast.
Hans Nats Dackel „Witz" verrät ihn. Die Proletenrevolution bricht aus und alle, die sich nicht für Proleten hielten, muss Nat aufklären. Eine Demaskierung aller Werte, gelehrter Wichtigtuerei, wobei das Stirnrunzeln der Aufklärung, der Dackelblick der Trüben, zur Vorführung gelangt.
Bleibt nur noch eine Frage offen: die nach dem Dackel.
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