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Wilmington, Dean (Komponist)
Wilmington, Dean (Autor)

Der Reigen
nach Arthur Schnitzler

Musiktheater
Musical

Besetzung: 1D, 1H
Instrumentierung: 1 Klavier

Zusatzinformation: Besetzungshinweis: 1 Sängerin, 1 Sänger; 1 Pianist (der auch singt)

Aufführungsgeschichte:
UA: 16.11.18, Theater an der Rott, Eggenfelden; R: Uwe Lohr; Choreografie: Daniel Morales Pérez
ÖE/ SE - frei -

In TTX seit: 01.02.2019

„Schließlich ist es ja Ihr bestes Buch, Sie Schmutzfink!“ (Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 1920)
Der Reigen besteht aus zehn Dialogen, zehn aufeinanderfolgenden Einaktern – im wahrsten Sinne des Wortes. Zehn Personen formen eine Choreografie. Zehnmal wiederholt sich ein makabrer Tanz um Werbung, Lockung und Paarung. Zehnmal bilden diese zehn Personen ein neues Paar. Zehnmal steigt die Temperatur vom Nullpunkt zum Siedepunkt und sinkt wieder zum Nullpunkt ab. Am Ende dieses Karussells sind wir wieder da, wo es angefangen hat und der Reigen schließt sich in der unteren und oberen Gesellschaftsschicht.
Es war eines der aufsehenerregendsten und skandalträchtigsten Stücke des 20. Jahrhunderts, obwohl darin gar keine Skandale vorkommen. Denn Der Reigen ist nicht als ein System von Obszönität zu sehen, es geht nicht um eine rein erotische Bilderfolge. Vielmehr zeigt der Dichter-Arzt Arthur Schnitzler, der auch als literarisches Gegenstück zu Sigmund Freud bezeichnet wird, die Untrennbarkeit von sozialem und sexuellem Dasein und die Natur des Menschen. Schnitzlers Interesse richtet sich auf die Wiederholung des Kampfes um politische, ökonomische und psychische Macht im intimsten Bereich der Menschen. Wie kaum ein anderer Dichter seiner Zeit ist er in den Raum der bürgerlichen Privatsphäre vorgedrungen und versuchte zum ersten Mal das konfliktreiche Feld von erotischer Anziehung und Abstoßung, Verführung und Verletzlichkeit, von Bindung und Trennung, Verlangen und Überdruss, Sehnsucht und Enttäuschung der bisher üblichen dramatisierenden Darstellung zu entziehen, es durchsichtiger zu machen und den Geschlechtsakt als einen völlig normalen, gewöhnlichen, alltäglichen Vorgang zu beschreiben.
Das bekannteste Werk Schnitzlers bildet den Ausgangspunkt für dieses neu komponierte Musical, das die Übertragung ins Hier und Heute als Ziel hat.
(Theater an der Rott)

„Mit Arthur Schnitzlers ‚Reigen‘ verbindet man bis heute einen der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts: Nach der Uraufführung 1920 am Kleinen Schauspielhaus Berlin wurden Theaterleiter und Darsteller wegen ‚Erregung öffentlichen Ärgernisses‘ vor Gericht gestellt, in vielen anderen Städten kam es zu Ausschreitungen vor und in den Theater oder Aufführungen wurden sogar ganz verboten. Wegen der Polemik gegen das Stück untersagte Schnitzler ab 1922 alle weiteren Inszenierungen – ein Aufführungsverbot, das bis Ende 1981 in Kraft blieb. […]
‚Der Reigen‘ in Eggenfelden ist kein Kopftheater, aber auch kein plattes Amüsement, Dean Wilmington ist es gelungen, einen Mittelweg zu finden, der beim Publikum so gut ankam, dass Zusatzvorstellungen angesetzt werden mussten […]. Auch wenn erst die Hälfte der Spielzeit 2018/19 verstrichen ist, darf man schon jetzt berechtigt annehmen, dass dieses Kammermusical mit zum Besten gehört, was diese Saison an deutschsprachigen Uraufführungen hervorgebracht haben wird. Hoffentlich findet dieser ‚Reigen‘ schon bald den Weg von Niederbayern auf andere Bühnen …“
(musicals 02/19)
„Als Barpianist begleitet Wilmington die Sänger selbst. Ein paar Zeilen singen wird er auch, vor allem, um den Bogen von der einen zur nächsten Szene zu spannen und den Schauspielern einen kurzen Moment zum Umziehen und Verschnaufen zu geben.“
(Süddeutsche Zeitung, 16.11.18)
„Denn die übersexualisierte Gesellschaft findet ihr Futter überall in der Werbung wie auch im Internet. Also legten Uwe Lohr und Dean Wilmington die Wurzeln bloß, die den Dialogen zugrunde liegen. Und verpacken das Ganze in ein leicht abgründiges Musical.“
(Passauer Neue Presse, 16.11.18)
„Eine großartige und fesselnde Leistung mit viel Slapstick, akrobatischen Tanzeinlagen und rasanten Kostüm- und Frisurwechseln.“ (Bayer. Rundfunk, 17.11.18)
„Nicht streng und spröde wirkt die scheiternde Suche nach dem Ich im Anderen, sondern vital und sinnlich. [...] Das Liebesduo kann manchmal sehr trist sein, oft erotisch, manchmal komisch, oft dominanzgeprägt, aber die Inszenierung ist nie beliebig. Sie entzaubert weniger die Figuren, bezaubert mehr das Publikum.“
(Die Deutsche Bühne, 18.11.18)

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