Schulte, Anne Jelena
The Truest True Crime
Sprechtheater
Schauspiel
Besetzungshinweis: Besetzung variabel
Aufführungsgeschichte:
UA: Münchner Kammerspiele, 11.12.2026
Regie: Anna-Sophie Mahler
In TTX seit: 28.09.2026
Die mediale Berichterstattung produzierte diese wahre Geschichte als sensationellen Verkaufsschlager: die Aufklärung eines Verbrechens, das fast zehn Jahre lang als »Cold Case« bei der Kripo lag. Ein Unbekannter hatte eine junge Frau nachts vom Fahrrad gerissen, sie auf offener Straße vergewaltigt und war – trotz bewaffneter Zeugen – beinahe spurlos verschwunden. Das Wesentliche aber sparten diese Berichte aus: die Perspektive der Betroffenen selbst.
Die Autorin Anne Jelena Schulte hat sich entschlossen, ihren eigenen Fall zum Gegenstand eines Theaterstücks zu machen. Ihre Hauptfigur, die Radfahrerin Anni, wird zur Ermittlerin in der eigenen Geschichte und lässt so die Ohnmacht des Opfers hinter sich. Wir dürfen ihr dabei zuschauen, wie sie, immer im Ringkampf mit der schematischen Schwerfälligkeit der Behörden und einem überforderten Umfeld, schließlich einen Serientäter überführt. Und wie sie die üblichen »True Crime«-Erzählnarrative und Erwartungen mit Humor, Wut und Lebenslust außer Kraft setzt, ohne den Schmerz zu leugnen. Eine junge Frau will ihr Leben zurück – und übergibt die alte Opferstory zurück an den Täter und an alle, die in der misogynen Fallabwicklung so routiniert wie oberflächlich mitgespielt haben.
Anne Jelena Schulte findet einen eigenen Erzählmodus und -ton für diesen Stoff, der so persönlich wie (weiblich) universell ist: in nicht-linearen, situativen Schlaglichtern und mit Gespür für zwischenmenschliche Situationskomik rekonstruiert sie das Geschehene, wobei auch Originaldokumente zu Wort kommen.
»The Truest True Crime« bricht ein Schweigen, das stets den Tätern dient und dem System, das sie schützt. Nicht nur die Scham muss die Seite wechseln, sondern auch das Schimpfwort: Verpiss dich, du Täter!
Die Autorin Anne Jelena Schulte hat sich entschlossen, ihren eigenen Fall zum Gegenstand eines Theaterstücks zu machen. Ihre Hauptfigur, die Radfahrerin Anni, wird zur Ermittlerin in der eigenen Geschichte und lässt so die Ohnmacht des Opfers hinter sich. Wir dürfen ihr dabei zuschauen, wie sie, immer im Ringkampf mit der schematischen Schwerfälligkeit der Behörden und einem überforderten Umfeld, schließlich einen Serientäter überführt. Und wie sie die üblichen »True Crime«-Erzählnarrative und Erwartungen mit Humor, Wut und Lebenslust außer Kraft setzt, ohne den Schmerz zu leugnen. Eine junge Frau will ihr Leben zurück – und übergibt die alte Opferstory zurück an den Täter und an alle, die in der misogynen Fallabwicklung so routiniert wie oberflächlich mitgespielt haben.
Anne Jelena Schulte findet einen eigenen Erzählmodus und -ton für diesen Stoff, der so persönlich wie (weiblich) universell ist: in nicht-linearen, situativen Schlaglichtern und mit Gespür für zwischenmenschliche Situationskomik rekonstruiert sie das Geschehene, wobei auch Originaldokumente zu Wort kommen.
»The Truest True Crime« bricht ein Schweigen, das stets den Tätern dient und dem System, das sie schützt. Nicht nur die Scham muss die Seite wechseln, sondern auch das Schimpfwort: Verpiss dich, du Täter!
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