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Bude, Heinz / Sznaider, Natan / Wieland, Karin

Niemandes Schwester
So what, Hannah Arendt!

Sprechtheater
Schauspiel

Besetzung: 3D, 2H

Frei zur UA

In TTX seit: 02.10.2025

Hannah Arendt zögert, diesen Preis anzunehmen: Als ihr die Stadt Hamburg 1959 den Lessing-Preis verleiht, ruft sie erst einmal Mary McCarthy an. In einer New Yorker Bar rät ihr die Freundin und Theaterkritikerin den Preis und damit die Rolle der Versöhnerin anzunehmen, und zwar nicht wegen Lessing oder der Deutschen, sondern allein wegen sich selbst. Ihr Mann Heinrich, von dessen außerehelichen Affären alle wissen, solle Hannah gefälligst begleiten. Auf der anderen Seite des Atlantiks laufen die Vorbereitungen derweil auf Hochtouren: Hamburgs Kultursenatorin Ingeborg von der Osten gefällt sich in der Rolle der aufgeklärten Versöhnerin, glaubt, mit dem Juden Nathan den perfekten Sekretär an ihrer Seite zu haben. Nathan, nach der Flucht mit seinen Eltern aus Nazi-Deutschland in England großgeworden, soll die Preisrede schreiben. Allerdings rechnet sie nicht mit Nathans Rache und damit, dass die NS-Vergangenheit ihres Vaters sie noch einmal einholen wird. In »Niemandes Schwester« wird Nathans Rache selbst Hannah Arendts Dankesrede in den Schatten stellen. Tatsächlich erzeugte die historische Rede, die Teil des Stückes ist, 1959 keine nennenswerte Resonanz. »Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten« steht für Hannah Arendts Annäherung an eine Haltung als Jüdin nach den Erfahrungen im NS, mit dem Wissen um den Holocaust. Für das heutige Publikum ist Arendts Analyse der deutschen Nachkriegsgesellschaft ein Spiegel, in dem die historisch gewachsenen, derzeitigen Konflikte umso deutlicher zu Tage treten.

Eine Komödie über Hannah Arendt? Dem Trio Karin Wieland, Heinz Bude und Natan Sznaider ist mit ihrem Konversationsstück und Theaterdebüt ein kleines Meisterwerk gelungen. Dieses Kapitel aus Hannah Arendts Biografie ist brillant in den historischen Details, lässig im fiktionalen Umgang mit Geschichte, leichtfüßig und vergnüglich in den Dialogen, sehr komisch und doch grundernst. Drei spannende Frauenrollen stehen im Zentrum: Hannah Arendt, Mary McCarthy und Ingeborg von der Osten, frei gestaltet und gleichsam typisch für den Zeitgeist der 50er-Jahre in Deutschland.

Entstanden im Auftrag der Körber-Stiftung

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