Kriegstüchtig, Wehrpflicht, Aufrüstung: Worte, die bereits vergessen waren, nun aber wieder allgegenwärtig sind. Anfangs begrüßt der queere Ingenieur (m/w/d) in Sibylle Bergs Stück diesen Stimmungswechsel – schließlich arbeitet er in der Rüstungsindustrie und profitiert von der wachsenden Nachfrage nach Waffen. Als es jedoch zum Konflikt zwischen Luxemburg und Liechtenstein kommt, der bald militärisch eskaliert, als die Kämpfe zunehmend blutig werden und als er plötzlich selbst zum Dienst an der Front eingezogen werden soll, beginnt er an seiner Einstellung zu zweifeln und begeht Fahnenflucht. Verbarrikadiert in einen Keller, ohne Licht und mit begrenztem Wasservorrat, versucht er dem Kind, das er nie hatte, eine Welt zu erklären, die konsequent auf ihren Untergang zusteuert. Was ist aus den Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung geworden, was aus Begriffen wie Demokratie, Freiheit, Solidarität in einem komplett durchkapitalisierten und von ein paar wenigen Tech-Milliardären beherrschten System, das offenbar selbst den Himmel an Google verkauft hat?
Sarkastisch und dennoch bitterernst, unsentimental und dennoch voller Zartheit und Melancholie stellt Sibylle Berg die Grundfrage nach dem Sinn unseres Tuns und an welchem Punkt in der Geschichte wir als Gesellschaft möglicherweise falsch abgebogen sind.
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