Na gut, dann Action!
(Good Luck, Studio)
Sprechtheater
Komödie
Übersetzer:in(nen): Harpner, Maria / Preissler, Anatol
Originalsprache: Englisch
Besetzung:
3D,
7H
(10 Darst.)
Bstnr/Signatur: 16623
Aufführungsgeschichte:
DSE: 14. November 2026, Volkstheater Wien
Frei zur DE
In TTX seit: 01.10.2026
Wir befinden uns in einem Fernsehstudio kurz vor der Aufzeichnung der letzten Folge einer erfolgreichen, aber künstlerisch völlig verachteten Kindersendung. Während auf der Bühne Drachen tanzen, Früchte sprechen und harmlose Reime für das junge Publikum serviert werden, herrscht hinter den Kulissen blanker Hass, Verzweiflung und nackte Existenzangst. Schauspielerinnen und Schauspieler klammern sich an Jobs, die sie hassen, Autor, Regie und Produktion schieben Verantwortung und Schuld im perfekten Machtgefälle nach unten weiter. Sicherheit, Würde und Menschlichkeit sind verhandelbar – solange die Kamera läuft.
Als ein älterer Darsteller bei einer grotesk missglückten Sicherheitsmaßnahme beinahe stirbt und ein übergangener Schauspieler mit einer Waffe im Studio auftaucht, kippt die Situation endgültig. Was als Farce beginnt, entwickelt sich zur bitterbösen Abrechnung mit einem System, in dem Menschen nur so lange zählen, wie sie funktionieren. Die scheinbar harmlose Kinderunterhaltung entlarvt sich als Hochdruckkessel aus Angst, Eitelkeit und moralischer Verwahrlosung.
Der Clou: Die Handlung wird aus zwei Perspektiven erzählt – einmal aus dem Studio selbst, einmal aus der Regie. Das Publikum sieht nicht nur, was schiefgeht, sondern wer es verursacht und warum. Jede Figur ist gleichzeitig Täter und Opfer. Sympathisch ist hier niemand – und genau das macht den Abend so komisch wie schmerzhaft.
Der Autor Henry Shields ist einer der drei Köpfe hinter der Mischief Theatre, also jener Truppe, die mit Mord auf Schloss Haversham (The Play That Goes Wrong) weltweit bewiesen hat, dass Präzision, Timing und Chaos kein Widerspruch sind. Good Luck, Studio geht allerdings einen Schritt weiter: weniger Slapstick, mehr Gift. Der Humor ist schwarz, schnell, gnadenlos und oft erschreckend nah an der Realität des Kulturbetriebs.
Das Stück lacht nicht über Theater – es lacht über uns alle, die wir dieses System mitspielen, entschuldigen oder verdrängen. Und genau deshalb trifft es so gut. Kurz gesagt: eine hochkomische, brutal ehrliche Ensemble-Komödie über Kunst, Angst und Verantwortung.
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