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Weiss, Peter

Hölderlin

Sprechtheater
Schauspiel

Werkangaben: Stück in zwei Akten
Besetzung: 5D, 21H
Besetzungshinweis: Besetzung variabel

Publikation: Werke in sechs Bänden, Band 6, Dramen, 1991

Aufführungsgeschichte:
UA: Württembergisches Staatstheater Stuttgart 18.9.1971 Regie: Peter Palitzsch
DEA: EA der Neufassung: Theater der Freien Hansestadt Bremen 26.9.1972 Regie: Charles Lang

In TTX seit: 27.03.2001

Als Zwölfjähriger lebte Peter Weiss für ein halbes Jahr in unmittelbarer Nähe zum Hölderlinturm in Tübingen. Bevor er die Gedichte des schwäbischen Dichters kannte, spukte der »Geisteskranke« in seiner Fantasie, wie Weiss 1971 im Gespräch mit Volker Canaris für die »Die Zeit« im September 1971 erzählte. Hölderlin habe für ihn immer in der Nähe von Trotzki gestanden, dessen Leben Peter Weiss in »Trotzki im Exil« (UA 1970) bereits dramatisch bearbeitet hatte: »Immer handelt es sich um Menschen, die sich mit ihrer ganzen Person einsetzen für eine grundlegende Umwandlung der existenziellen Verhältnisse und die von der Realität in die Enge gedrängt und bis an den Rand der Vernichtung oder bis in die tatsächliche Vernichtung getrieben werden.«

Wie in »Marat / Sade« von 1964, Weissʼ Durchbruch als Dramatiker, spielt die Französische Revolution mit: Hölderlin war 1789 gerade 19 Jahre alt, schrieb erste Gedichte, Weiss nennt ihn den »letzten deutschen Jakobiner«. Alle Freunde, die sich in der ersten Szene des Stücks am Tübinger Stift um Hölderlin versammeln, darunter Hegel und Schelling, schwören später der revolutionären Idee ab, machen Karriere, wenden sich schließlich von Hölderlin ab. »Nach langem Spießrutenlaufen blieb für Hölderlin nur noch das Gefängnis übrig, und da war der Turm für ihn noch die beste Lösung«, so Weiss. In acht großen Bilderbögen und strengem Versmaß zeichnet Peter Weiss in diesem prallen, unterhaltsamen Biopic das Leben von Hölderlin nach: von der Studienzeit im Tübinger Stift über die erfolglose Anstellung als Hofmeister bei Charlotte von Kalb, die politischen und ästhetischen Gespräche mit Friedrich Schiller, der den jüngeren, genialen Dichter »meinen liebsten Schwaben« nannte, die peinliche, erste Begegnung mit Goethe, sein Leben im »kapitalistischen« Frankfurt bis zu den Tagen des Rückzugs im Tübinger Turm – wo Peter Weiss am Sterbebett Hölderlins überraschend Karl Marx vorbeischickt und damit seine Lesart unterstrich: Hölderlin als poetischer Vordenker einer proletarischen Weltrevolution.

Die Uraufführung im September 1971 in Stuttgart war ein riesiger Erfolg. »Hölderlin« wurde nach der Uraufführung an über zwölf Theatern gespielt.

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