Kolmar, Gertrud
Möblierte Dame
Sprechtheater
Schauspiel
Werkangaben: (Mit Küchenbenutzung gegen Haushaltshilfe)
Dekorationshinweis:
1 Dekoration
Besetzung:
1D
Publikation: Spectaculum 69, 1999
Frei zur DE
In TTX seit: 27.03.2001
Sie ist eine Dame »mit Takt und Herzensbildung«. Manieren hat sie und Ansprüche, schließlich kommt sie aus gutem Hause und war früher als Buchhalterin einer großen Firma die rechte Hand des Chefs. Nun wohnt sie, im Berlin zwischen den Kriegen, möbliert, »(mit Küchenbenutzung) gegen Haushaltshilfe«. Gute Ratschläge gibt sie gratis dazu, nur zeigen die anderen keine Dankbarkeit dafür, wie sie unreflektiert bemerkt. Ihr Herz ist schwach, deshalb hat ihr ihr Arzt den Rat gegeben, Schonkost zu essen, kein Fleisch, kein Weizen und so weiter. Das hat sie so empört, dass sie zu einem anderen Arzt wechselte, der allerdings wegen einer Geburt keine Zeit für sie fand. Sie selbst hat keine Kinder: »Das ist aber auch das Einzige, was ich nicht durchgemacht habe. Sonst wollt’ ich, daß auf meinem Grabstein geschrieben wird: ›Ihr blieb nichts erspart‹.« So plaudert, klagt, lamentiert die alleinstehende Frau in mittleren Jahren, die große Stücke von sich hält, im Gespräch mit der Tochter des Hauses und zögert dabei den Beginn der Arbeit im Haushalt hinaus.
Gertrud Kolmar zeichnet in »Möblierte Dame« durchaus humorvoll das lebendige Bild einer unsympathischen, stellenlosen Stenografin, deren Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmt. Der kurzweilige Monolog von 1939 verweist dabei auf den tiefen Riss und die realen sozialen und politischen Entwicklungen der deutschen Gesellschaft Ende der 30er-Jahre. Jüdische Freund:innen haben das Land bereits verlassen, andere mussten ihre Villen aufgeben, wie auch der Vater von Gertrud Kolmar. Die Briefe an die ins Ausland emigrierte Schwester Gertrud Kolmars legen autobiografische Spuren in diesen kurzen, aber beeindruckenden Bühnentext, der noch keine Uraufführung erlebt hat.
Gertrud Kolmar zeichnet in »Möblierte Dame« durchaus humorvoll das lebendige Bild einer unsympathischen, stellenlosen Stenografin, deren Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmt. Der kurzweilige Monolog von 1939 verweist dabei auf den tiefen Riss und die realen sozialen und politischen Entwicklungen der deutschen Gesellschaft Ende der 30er-Jahre. Jüdische Freund:innen haben das Land bereits verlassen, andere mussten ihre Villen aufgeben, wie auch der Vater von Gertrud Kolmar. Die Briefe an die ins Ausland emigrierte Schwester Gertrud Kolmars legen autobiografische Spuren in diesen kurzen, aber beeindruckenden Bühnentext, der noch keine Uraufführung erlebt hat.
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