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Jelinek, Elfriede

Krankheit oder moderne Frauen

Sprechtheater
Schauspiel

Werkangaben: Wie ein Stück
Dekorationshinweis: Grunddeko
Besetzung: 2D, 2H

Aufführungsgeschichte:
UA: U: 12.2.1987 Schauspiel Bonn (R: Hans Hollmann)

In TTX seit: 27.03.2001

Ein Spiel mit der Umkehrung männlicher Weiblichkeitsentwürfe: Die auf Natur und ih­re Reproduktionsfunktion festgelegte Hausfrau und Mutter Carmilla, «eine Dilettantin des Existierens», wird von der lesbischen Krankenschwester, Schriftstellerin und Vampirin Emily (eine Hommage an Emily Brontë) ebenfalls zur Vampirin gemacht, die schließlich sogar über ihre eigenen Kinder herfällt. Trotzdem scheitert der Ausbruch aus dem geschlossenen System männlicher Zuschreibungen, ebenso wie Carmillas Versuch, ihren Nicht-Ort durch eine Neubestimmung zu überwinden («Ich bin krank, deshalb bin ich»), da er lediglich wieder stereotype Weiblichkeitsbilder bestätigt. Der Vampirismus ist im Stück einerseits Metapher für die weibliche Existenz, die - da die Frau an der herrschenden Ordnung gleichzeitig beteiligt und von ihr ausgeschlossen ist - immer eine Zwischenexistenz ist. Andererseits kann er gelesen werden als Metapher für ein Schreiben, das sich durch intertextuelle Verfahren tradierte Texte gewaltsam aneignet und sie in ihrer Durchquerung neu in Erinnerung ruft.

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