Heiner Müller interessierte sich zeitlebens „für die Lücken im Mythos der Deutschen, die noch nicht durch Taten hoffnungslos verstopft sind“. Mit „Germania. Tod in Berlin“ hat er einen Bilderbogen zur deutschen Geschichte in dreizehn Szenen geschaffen, der konkrete historische Ereignisse in der DDR, wie den Volksaufstand am 17. Juni 1953, neben mythische Sagen, phantastische Parodien und anachronistische Begegnungen setzt. Müllers Stück wehrt sich gegen einfache Antworten und die vermeintlich historische Logik der Geschichtsschreibung. Es eröffnet dem Publikum durch Groteske und Übertreibung, Ironie und Verfremdung die Möglichkeit, selbst Fragen an Text und Handlung zu stellen und einen neuen Blick auf die eigene und doch fremde Geschichte zu werfen. Von der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. bis in die Zeit vorm Mauerbau spannt sich Müllers zwischen 1956 und 1971 entstandenes, unbequemes Stück zur deutschen Geschichte. Konflikte ohne Lösungen, Clowns, die nicht lachen, ein schwangerer Joseph Goebbels, Napoleon und Cäsar im Kessel von Stalingrad. Heiner Müllers Collage ist eine Zumutung und sollte es auch immer sein.
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